2/25/2011

A Film for the Ladies: True Grit

I went to see True Grit, which opened yesterday at Zurich’s film theaters. It’s one of the best films I have seen recently.
The plot is very simple. Mattie Ross, a 40-year-old accountant, tells a story from the mythical Wild West.  At the age of 14, Mattie (Hailee Steinfeld) seeks revenge for the murder of her dad who was killed by Tom Chaney. Therefore, she hires Rooster Cogburn (Jeff Bridges), a deputy U.S. marshal and confirmed drunkard. Mr. LaBoeuf (Matt Damon), a Texas Ranger, who is pursuing Tom Chaney due to another murder committed in Texas, joins the two in their hunt. Their journey into the wild, into Indian territory, is marked by their unwillingness to cooperate. They finally join forces involuntarily and succeed in killing Tom Chaney and his partners in crime. Both the band of three and the spectators cannot enjoy the victorious apogee for long because a snake bites Mattie. Cogburn takes her to a doctor, but leaves before she regains conscience. Due to the gangrene, one of her arms has to be amputated. She never hears again anything about LaBoeuf and misses to see Cogburn again. Cogburn sends her a letter about his whereabouts 25 years after the events, but dies three days before the planned reunion.

The scarce landscape of the film mirrors the plot. The landscape is meager, cold and truly artificial. The whole scenery resembles more a chamber play than the epic tradition of the genre. The bare-branched trees seem to have been planted for the occasion of the filmsetting only. The wide starry sky towards the ending, when Cogburn tries to take Mattie to a doctor seems fixated and completely unreal. The sky - nature in general - is unmoved by the events happening to the human beings. The low-keyed depiction of the landscape could have given more room to the characters. The guys, however, are mere caricatures of what we know of other neo-Westerns. All men have mask-like faces full of dirt, scars and leftovers of other wounds: Cogburn, e.g. wears an eye patch. The only being that has a strong will and pursues her ideals with stubbornness (no matter of what we may think of her planned revenge morally) is the 14-year-old girl Mattie. She is the Kim Possible of this film while all men get downgraded to sidekicks. Whenever they rise to their real power, it seems they owe it to Mattie’s determination to take Tom Chaney to court. Hence, I think this is one of the westerns women will like a lot.
Humor is displayed on a subtler level than in other Coen films. It is less ironic than I expected. The audience never laughs out loud during the film. People smirk about some details, but nobody guffaws. The medicine man wearing a bearskin probably causes the biggest laughter, also because it is the scene that comes closest to what the audience expects of humor in a Coen film.
There is one scene that will stick in my memory because it shows what can really have an impact on the audience. It also reveals the metaphorical layer of the film. Physical violence is omnipresent. We are able to see violent details like fingers getting cut off a hand, knives put into a tummy, Cogburn digging in LaBoeuf’s bloody mouth or see men hang. However, only the instant when Mattie is threatened by the snakes in the mineshaft causes a loud moment of shock within the audience. It is this highly symbolic moment of endangered innocence , like a paradise lost, which is able to move the audience, much more than all the physical violence seen before. Mattie, for sure, pays her price for pursuing her happiness. It is to the merit of the Coen brothers that we can mourn Mattie's loss as if it were our own even though she herself does not know how to express it.

Links:
Wikipedia - True Grit
Imdb
Poster: http://www.viewclips.net/true-grit-2010

2/19/2011

Aus dem #FF - Schreibversuche mit Twitter

In der Schreibkammer unterm Dach träume ich nach Feierabend vom großen Literatenleben. Als Programmiererin habe ich den ganzen Tag vor bunten Bildschirmen verbracht. Am Abend bedrückt mich daher, dass mein Blatt Papier weiß bleibt. Die Wörter, die es bis aufs Papier schaffen, entsprechen nicht dem, was ich mir vorstelle. Ich plane einen Roman und komme nicht über den Grobentwurf hinaus. Die Skizze gehe ich täglich durch, auch wenn ich nichts Neues schreibe. Über das Zählen der Wörter und Zeichen (Roman 40'000 Wörter) bin ich auf #Twitter gestoßen. CEOs meiner Branche verabschieden sich inzwischen mit Haikus auf #Twitter. Das ist, so dachte ich, eine fantastische Vorübung, mich gehaltvoll kurz zu fassen.
Wie schaffe ich es nun also möglichst schnell in die #TopTweets, dem Surrogat der literarischen Bestsellerliste im Internet? Ich mache mich sofort an die Arbeit. Ich registriere mich und schaue mich um. Die Benutzeroberfläche - auch beim „neuen Twitter“ - ist für mich eine Zumutung, die Antwortzeiten meist auch; aber offensichtlich ist das für 190 Mio. andere Menschen kein Problem. „Hoppla, da lief was schief. Bitte versuche es noch einmal“. Meine internen Kunden tagsüber sind anspruchsvoller.
Ohne #Follower und #Following ist es einsam auf #Twitter. Ich durchkämme diverse #Directories und suche mir ungefähr 50 coole, aber seriöse Adressen raus, denen ich folgen möchte. Ab jetzt ist jeder Schritt auf meinem Weg zur Schriftstellerin öffentlich. Da muss ich genau abwägen, wem ich folgen möchte: Die Leute, denen ich folge, gehören ab sofort zu meiner Visitenkarte. Die Dosierung der #Tweets soll ebenfalls bedacht sein. Hip und Hype liegen nah beieinander, d.h. nicht zu viel auf einmal. Die Textbox bleibt zunächst dennoch leer wie das Blatt für die Romanskizze. Mehr wäre eindeutig mehr.
Nach drei Tagen und zwei Tweets kommen die ersten Follower: Werbeagenturen, #SEO-Firmen und, oh Schreck, eine deutschnationale Jugendorganisation aus Nordrhein-Westfalen. Soll ich die blocken? Dann habe ich allerdings gleich wieder einen #Follower weniger? Immerhin herrscht Meinungsfreiheit, und ist es nicht toll, wenn ich deren Meinung beeinflussen kann? Ich erhalte einen erstes Gefühl dafür, wie es ist, wenn mein Roman nach Publikation ein eigenständiges Leben beginnen würde.
#Follower kommen, #Follower gehen. Für neue #Follower erhalte ich eine nette Email. Wenn ich die Abtrünnigen tracken möchte, benötige ich Zusatzhilfe: z.B. bei twunfollow.com. Ich erfahre die wundersame Wirkung der #Hashtags. Da kann #Twitter noch so viel von seiner tollen allgemeinen Suche erzählen. Die #Hashtags sind das i-Tüpfelchen der #Twitter-Analysetools. #Hashtags ziehen potentielle #Follower an und törnen andere ab. #Follower haben nicht viel Geduld. Die SEO-Firmen, die mein Profil nur ausloten, um es gegen Geld an andere Unternehmen zu verkaufen oder um Trendthemen aufzuspüren, bleiben nur für ein paar Tage. Dann sind sie wieder weg. Private Nutzer sind anhänglicher, auch wenn sie selber nie #tweeten. Das ist wie Leser, die nicht über die Bücher reden können, die sie gelesen haben. Ich werde hungrig nach #FF, kurz für favored and fanned oder auch following Friday. Das Ziel ist selbstverständlich: finally famous.
Am frühen Morgen ist es von Europa aus gar nicht so schwer, ein weltweites #trendingtopic zu erzeugen. The early bird catches the worm. Dann schläft Amerika, die Asiaten sind noch bei der Arbeit, die Australier fallen nur bei Naturkatastrophen ins Gewicht. Es kommen einem also höchstens die schwatzenden Brasilianer in die Quere oder die umtriebigen Justin-Bieber-Fans. Wann machen die eigentlich ihre Hausaufgaben? #Buzz Wer’s genau wissen möchte, kann sich bei einer Echtzeit-Suchmaschine erkundigen: OneRiot, zum Beispiel. Dieses Geschnatter erinnert mich ein wenig an meine Kindheit im Dorf, als die Leute beim unerwarteten Läuten der Kirchenglocken auf die Strasse strömten, um zu erfahren, wer wohlgestorben sei. Immerhin, seit gestern bin ich die Deutschnationalen los!
Die Community entwickelt durch den Speed der Social Media häufiger das Gefühl von Hyperaktivität. Das ist besonders dann der Fall, wenn es darum geht, Demonstrationen und Umsturzversuche im Ausland zu fördern und zu nähren. Der virale #Buzz erhält in solchen Fällen fast einen romantisch-sehnsuchtsvollen Anstrich, wenn sich die #Tweets überstürzen und ihre Autoren sich fragen, ob #Twitter die Revolte vielleicht gar ausgelöst habe.
Doch so ernsthaft geht es wahrlich nicht immer zu. Humor ist der kritischste Erfolgsfaktor auf dem Weg in die #TopTweets. Ohne Spaß geht gar nix – @saschalobo, @UliWickert, @dieternuhr. Sarkastische Comedians haben auf #Twitter ihre ultimative Stand-up-Probebühne gefunden. Freundlicherweise werde ich beim Einloggen immer mit dem Besten der letzten Tage begrüsst. Danke, #Twitter! Die deutschen #TopTweets zeigen allerdings, dass Deutschland noch auf der Suche nach dem wahren Superstar ist, der die Linien zwischen öffentlichem und privatem Leben kunstvoll zu verwischen weiß. Wo bleibt der deutsche @kanyewest, genialer Zeremonienmeister der einsamen Mitteilsamkeit? Wo bleibt der zumindest halbherzige deutsche @50cent, der von geplanten Firmenkäufen bis ungeplanten Techtelmechteln aus seinem Leben berichtet? Wo bleibt die deutsche @britneyspears mit ihrem Pendant zu ihrem unvergesslichen Kiss My Lily White Louisiana Ass?
Solchen Leuten fällt jeden Tag etwas ein. Ich dagegen sitze nach 10 Wochen Testphase wieder einmal vor dieser leeren What’s happening now?-Textbox wie die Schlange vor dem Kaninchen und denke neidisch an @haekelschwein, @sixtus und andere kreative #Twitter-Celebrities. Da mir die deutsche #TopTweet-Community manchmal zu wutbürgerlich wird (S21, Deutsche Bahn, @kristinaschroeder - schwanger!, Doktortitel), habe ich mich anderen Welten zugewandt Als absoluter Reggaeton-Fan bin ich dank #Twitters tollen Empfehlungen (Who to Follow) in der richtigen Szene gelandet, d.h. bei den einschlägigen Blogs. Die meisten #Tweets sind schliesslich reine Referenzierungen auf andere Texte – #Twitter ist ein Zusatzkanal, nicht mehr, nicht weniger. Dort habe ich mich auf den Jargon und sozialen Kontext der vida urbana einlassen können. Längst bewege ich mich mit einem Fantasieavatar als respektiertes Mitglied in dieser emulierten Gemeinschaft. Und tanzen gegangen bin ich auch mal wieder, sogar im wirklichen Leben, #swag.

Abb. © http://www.fanartikel-shop.com/fun-tshirt-dont-follow-p-1402.html